Bei Schimmelpilzbefall in Innenräumen wird man immer wieder mit Begriffen
konfrontiert, unter denen sich der Laie im Regelfall wenig vorstellen kann.
Wir bieten Ihnen daher nachfolgend allgemeinverständliche Erläuterungen zu
einigen Fachbegriffen.
Abklatschprobe = Untersuchung von Schimmel auf Oberflächen mittels
Kultivierung
Bei der Abklatschprobe wird ein geeignetes präpariertes Nährmedium auf eine
Fläche gedrückt, von der vermutet wird, dass Schimmelpilzbefall vorliegt.
Sporen und Hyphenbruchstücke bleiben auf dem Nährmedium kleben und wachsen
zu sichtbaren Kolonien aus. Die Abklatschprobe ist nicht geeignet zur
Überprüfung des Sanierungserfolges, da auch Anflugsporen erfasst werden.
Actinomyceten = pilzförmig wachsende Bakterien
Wachsen ähnlich wie Pilze als Geflecht und können Sporen bilden. Sie werden
oft mit Schimmelpilzen verwechselt. In Innenräumen verursachen sie häufig
einen modrig-erdigen Geruch. Ob sie für Erkrankungen ursächlich sind, ist
noch nicht abschließend geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass einige
dieser Bakterien Allergien auslösen können.
Allergen = Stoff, der Allergien auslöst
Man geht inzwischen davon aus, dass nahezu jede Schimmelpilzart Allergien
auslösen kann, unabhängig von ihrem infektiösen oder toxischen Potential.
Bestimmte Schimmelpilzarten sind für ihr großes allergenes Potential
bekannt, wie beispielsweise die Arten der Gattung Alternaria. Maßgeblich für
das Auftreten einer Schimmelpilzallergie sind im Regelfall die Sporen der
Schimmelpilze (Inhalationsallergene).
Biozide / Fungizide = Stoffe zur Abtötung von Schädlingen
Biozide sind Wirkstoffe (Chemikalien oder Mikroorganismen), die gegen
Schadorganismen (wie z. B. Schimmelpilze, Bakterien, Insekten) eingesetzt
werden. Produkte, die besonders gegen Pilze (Fungi) wirksam sind, nennt man
auch Fungizide. Biozide werden entsprechend der Biozidrichtlinie geregelt.
Anwender biozider Produkte sollten bedenken, dass manche Wirkstoffe
gesundheitsschädlich und gefährlich sein können. Auf solche Gefahrstoffe
sollte man verzichten. Anwender- und umweltfreundlich sind bevorzugt
Sauerstoffabspalter auf Wasserstoffperoxidbasis, die mit Konzentrationen
< 5 % auskommen und mit konservierenden Fruchtsäuren aus dem
Lebensmittelbereich stabilisiert sind.
Coliforme Keime = Hinweis auf fäkale Verunreinigungen
Escherichia coli und andere im Darm lebende, Laktose spaltende
Enterobakterien. Dürfen keinesfalls in Trinkwasser auftreten. Gefährdung
durch solche Keime beispielsweise bei Hochwasser oder nach Fäkalienschäden
in Gebäuden (Rohrbrüche usw.).
Desinfektion = Mikroorganismen in einen Zustand zu versetzen, in dem diese
nicht mehr infizieren können.
Unter Desinfektion versteht man eine Abtötung von Keimen in dem Maße, dass
von ursprünglich 100.000 vermehrungsfähigen Keimen (so genannte Kolonie
bildende Einheiten = KBE) nach einer Desinfektion nicht mehr als ein
einziger überlebt. Es gibt eine Vielzahl von Wirkstoffen und Produkten im
Bereich der Desinfektion. Wirkstoffe können sehr unterschiedliche
Wirksamkeiten haben, die auch auf Unterschiede bei den zu bekämpfenden
Mikroorganismen zurückzuführen sind. Es sollte möglichst immer das Mittel
eingesetzt werden, dass für Anwender und Umwelt am wenigsten bedenklich ist,
immer vorausgesetzt, dass eine ausreichende Wirksamkeit gegeben ist.
Hyphen = Zellfäden des Schimmelpilzes
Die Zellfäden, die sich nach dem Auskeimen der Sporen bilden.
Kontaktprobe = Untersuchung von Schimmelpilzarten auf Oberflächen mittels
Klebefilm
Schimmelpilze werden vom Material direkt auf eine durchsichtige Klebefolie
überführt. Der Nachweis erfolgt mikroskopisch im Labor. Es ist keine
Beurteilung möglich, ob es sich um lebende oder tote Sporen handelt. Sind
nicht nur Sporen, sondern auch Myzel auf dem Klebefilm erkennbar, so ist
damit Schimmelpilzwachstum auf dem Material nachgewiesen.
Luftkeimmessung = Nachweis von Schimmelpilzsporen in der Raumluft
Schimmelpilzsporen werden angesaugt und mit Hilfe eines speziellen
Sammelkopfes auf einen Nährboden abgeschieden, wo sie zu sichtbaren Kolonien
auswachsen. Im Regelfall werden 100 l der Raumluft je Messung gezogen. Bei
sehr starker Belastung können geringere Luftmengen geprüft werden, da
ansonsten möglicherweise der Nährboden überladen und das Auszählen der
Einzelkolonien nicht mehr möglich ist. Ist kein sichtbarer Befall vorhanden,
können auch 200 l Raumluft zur Beurteilung der Sporenbelastung gezogen
werden. Sinnvollerweise wird immer in mehreren Räumen eines Gebäudes
gemessen. Parallel zu den Innenraummessungen ist immer auch eine
Außenluftmessung erforderlich, da sich Sporen aus dem Außenbereich auch im
Inneren von Gebäuden befinden. Außenluftmessungen bei Regen oder Wind sind
ungeeignet.
Die Luftkeimmessung zählt zu den aussagekräftigsten Überprüfungen, da
definierte Luftmengen zur Überprüfung herangezogen werden. Erfasst werden
ausschließlich lebende (keimfähige) Sporen.
Nach einer Luftkeimmessung werden die Schimmelpilze auf diesen so genannten
Agar-Platten angezüchtet und ausgezählt. Das Labor kann in der Folge nicht
nur auswerten, welche Schimmelpilzarten vorhanden sind sondern auch, welche
Mengen an keimfähigen Sporen sich in einem definierten Rauminhalt (m³)
befinden. Die Mengenbestimmung erfolgt über KBE (Kolonie bildende Einheiten)
je m³.
Materialprobe (Schimmel) = Bestimmung von Schimmelpilzbefall auf
Trägermaterial
Beim Nachweis von Schimmelpilzen auf befallenem Material steht eine
Differenzierung der Schimmelpilzarten zur Bewertung der gesundheitlichen
Gefährdung sowie des Umfangs und der Dringlichkeit der Sanierung im
Vordergrund. Die entnommene Materialprobe wird im Labor zerkleinert
und in Sterillösung suspendiert, von der anschließend mehrere
Verdünnungsstufen auf Pilznährmedien ausgestrichen werden. Um eine
annähernde Vergleichbarkeit von untersuchten Materialproben anzustreben, ist
die Untersuchung einer abgewogenen Menge empfehlenswert. Bei der
Materialuntersuchung ist neben der Konzentrationsbestimmung die
Differenzierung der vorhandenen Arten von Schimmelpilzen wichtig für eine
fundierte Aussage.
MVOC = microbial volatile organic compounds (mikrobiell erzeugte flüchtige
organische Verbindungen)
Mikroorganismen geben nicht nur Sporen, sondern auch Gase in die Raumluft
ab. Diese gasförmigen Stoffe entstehen beim Wachstum von Pilzen und
Bakterien und sind in manchen Fällen sogar geruchlich wahrnehmbar.
Verschiedene Mikroorganismen produzieren beispielsweise Geosmin, eine stark
riechende Verbindung. Sie wird u. a. von vielen Actinomyceten und Vertretern
der Pilzgattung Chaetomium produziert. Geosmin ist häufig verantwortlich für
den muffigen Geruch in Gebäuden. Der Begriff MVOC wurde in Anlehnung an das
Kürzel VOC gebildet, mit dem flüchtige (also leicht in die Luft übergehende)
organische Moleküle (im Innenraumbereich z. B. Ausdünstungen aus Baustoffen
etc.) bezeichnet werden. Die Messung der MVOC erfolgt im Wesentlichen auf
die gleiche Weise wie bei den VOC.
Mykotoxine = Gifte von Schimmelpilzen
Sekundäre Stoffwechselprodukte aus Schimmelpilzen. Etwa 200 verschiedene
Toxine sind bekannt, die von über 300 verschiedenen Pilzarten produziert
werden. Man geht davon aus, dass die Bildung von Mykotoxinen von einer Reihe
von Gegebenheiten abhängig ist. Bekannt und als besonders gefährlich
eingestuft sind die Toxine von Stachybotys chartarum und Aspergillus flavus.
Die Bedrohung durch Mykotoxine ist für den Menschen vorrangig durch
verschimmelte Lebensmittel gegeben. Eine Gefährdung des Menschen aufgrund
von Schimmelpilzbefall in Innenräumen durch Mykotoxine ist eher geringer, da
das toxische Potential der Sporen allein in der Regel vernachlässigt werden
kann. Bei Stachybotrys chartarum geht man jedoch davon aus, dass auch
bereits durch bloßes Einatmen der Sporen Vergiftungserscheinungen ausgelöst
werden können.
Myzel = Gesamtheit der Hyphen
Das Myzel ist das Hyphengeflecht des Schimmelpilzes, das sich bei
ausreichend Feuchtigkeit und Nährstoffangebot ausbreitet durch permanentes
Wachstum und Bildung neuer Hyphen.
Nährmedium = Substrat zur Kultivierung von Mikroorganismen
Zur Kultivierung von Schimmelpilzen aus dem Innenraumbereich hat sich die
Verwendung von Malzextrakt-Medium (Universalnährmedium für Pilze) und
DG18-Medium (Spezialnährmedium für die im Innenraum häufigen, an etwas
trockenere Bedingungen angepassten Pilze) eingebürgert. Durch Zugabe von
Agar werden die an sich flüssigen Nährmedien fest (ähnlich wie mit Gelatine)
und können so in Petrischalen praktisch gehandhabt werden.
Partikelsammlung = Sammlung und Auswertung von Partikeln der Raumluft
Bei dieser Art von Raumluftmessung werden die partikulären Bestandteile
eines definierten Luftvolumens über Partikelsammler angesaugt und auf einen
Objektträger mit einer speziellen Beschichtung abgeschieden
(Schlitzdüsenimpaktion). Diese Partikelspur wird mikroskopisch auf
Schimmelpilzsporen untersucht, wobei keine Unterscheidung zwischen lebenden
und abgetöteten Sporen möglich ist. Diese Methode der Raumluftmessung wird
nach Sanierungsmaßnahmen bei Schimmelpilzbefall durchgeführt. Große
Sporenzahlen und Partikelmengen weisen darauf hin, dass keine oder
unzureichende Feinreinigungsmaßnahmen durchgeführt wurden.
Schimmelpilze
Unter Schimmelpilzen versteht man Pilze, die ihre Sporen direkt am Myzel
(also nicht an oder in eigens dafür gebildeten Fruchtkörpern) bilden. Die
Zahl der weltweit verbreiteten Schimmelpilzarten wird auf mehr als 100.000
geschätzt, von denen ein großer Teil nur in der Natur vorkommt. In
Innenräumen findet man maßgeblich etwa 20 Gattungen. Die wichtigsten
Vertreter dieser Innenraumschädlinge finden sich auf unserer gesonderten
Seite Innenraumpilze. Hier finden Sie Erläuterungen zu Schimmelpilzgattungen
wie Aspergillus, Penicillium, Stachybotrys usw. und deren unterschiedlichen
Arten.
Schimmelpilze benötigen zum Wachstum Nährstoffe und Wasser (Feuchtigkeit).
Da das Nährstoffangebot für Schimmel nahezu überall vorhanden ist, ist für
die Vermeidung von Schimmelpilzbefall in Innenräumen immer die Vermeidung
von Feuchtigkeit entscheidend. Für einen Schimmelpilzschaden ist immer in
irgendeiner Form (Wasserschaden, Baumängel, Nutzerverhalten) eine zu hohe
Feuchtigkeit ursächlich.
Sedimentationsproben = Sammlung von luftgetragenen Schimmelpilzsporen
Unter dem Sedimentationsverfahren (Open-Petri-Dish Verfahren) versteht man
eine Luftkeimsammlung mit Hilfe einer geöffneten Petrischale. In der Luft
befindliche Schimmelpilzsporen setzen sich auf die mit Nährmedien befüllten
Platten. Nach einer bestimmten Zeit werden die Platten wieder geschlossen,
die darauf gelandeten Sporen wachsen zu sichtbaren Kolonien aus. Da kein
konkretes Luftvolumen für die Beprobung herangezogen wird, ist die Methode
stark von zufälligen Luftströmungen abhängig und die ermittelten Ergebnisse
sind wenig aussagekräftig.
Sporen = Fortpflanzungsform von Schimmelpilzen
Schimmelpilzsporen sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Sie dienen der
Vermehrung von Schimmelpilzen. Eine einzelne Spore reicht aus, um einen
Schimmelpilzbefall unter den entsprechenden Gegebenheiten (Feuchtigkeit,
Nährstoffe) zu verursachen. Bei starkem Schimmelpilzbefall können sich je
nach Schimmelpilzart Millionen von Sporen auf einem einzigen cm² befinden.
Schimmelpilze entwickeln je nach Art unterschiedliche Sporen, die mehr oder
weniger gut flugfähig sind. Viele Sporen lassen sich bereits durch leichten
Luftzug weiträumig verbreiten, andere werden durch Milben, Insekten etc.
vertragen. Schimmelpilzsporen können auch für Erkrankungen von Menschen und
Tieren verantwortlich sein.
Wärmebrücke = Bereich in Bauteilen, durch den die Wärme schneller nach
außen transportiert wird
Man unterscheidet zwischen konstruktiven, geometrischen und stofflichen
Wärmebrücken. Im Bereich von Wärmebrücken sinkt bei kalten Außentemperaturen
die raumseitige Oberflächentemperatur stärker ab als in den Normalbereichen.
Es besteht die Gefahr von Tauwasserbildung mit nachfolgendem
Schimmelpilzbefall.